Resilienz: Aus Krisen wirst du stark

Es gibt Menschen, die an Krisen scheitern und zerbrechen. Andere wiederum überstehen selbst widrigste Situationen unbeschadet. Was uns die Corona-Krise über Widerstandsfähigkeit und Resilienz lehren kann.

Allein sein zu müssen ist das Schwerste. Allein sein zu können das Schönste! Dass das stimmt, zeigt sich wohl in dieser weltumspannenden Isolationsphase am deutlichsten. Das größte Sozialexperiment aller Zeiten: Wie reagiert der Mensch auf eine unbestimmt lange Phase des social distancing? Welche psychischen Mechanismen werden in Gang gesetzt, wer geht gestärkt aus der Krise hervor, wer wird sie als schlimme Lebenszeit verbuchen?

Resiliente Menschen zeichnen sich durch eine ausgeprägte psychische Widerstandskraft aus und die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge unbeschadet zu überstehen – ja sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen! Jeder von uns bringt ein bestimmtes Maß an Resilienz mit, manche mehr, andere weniger.

Auch Unternehmen brauchen gerade in turbulenten Zeiten tatkräftige und nicht vor Angst erstarrte, orientierungslose Führungskräfte und Mitarbeiter. Das Resilienzmodell kann daher ein bestimmender Einflussfaktor für erfolgreiche Organisations- und Personalentwicklung in Unternehmen sein. Diese sichern dadurch ihre Flexibilität und Innovationskraft – Faktoren, die in dynamischen Zeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Aber: Jedes Unternehmen kann nur so resilient sein wie seine Mitarbeiter.

Der Begriff „Resilienz“ leitet sich aus dem Lateinischen ab (resilere) und bedeutet so viel wie „zurückspringen“, „abprallen“. Bildlich dient ein Stehaufmännchen am besten, um den Begriff zu beschreiben. Resilienz ist ein ständiger Prozess des Ausbalancierens zwischen operationeller Geschlossenheit und Umweltoffenheit.

Resiliente Menschen besitzen ein Grundvertrauen in das Leben und die Gewissheit, dass einem Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Herausforderungen des Alltags zu begegnen. Auch Selbstwirksamkeit spielt eine entscheidende Rolle: damit ist gemeint, eine Person glaubt daran, bestimmte Handlungen ausführen zu können, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Wie lange hält jemand eine Handlung aufrecht – auch in Anbetracht gewisser Widerstände? Wer gibt sofort auf, wenn die nötige Anstrengung größer wird?

Welches sind entscheidende Einflussgrößen auf die Resilienz von Menschen?

Resiliente Menschen sind…

  • verantwortungsbewusst und leistungsorientiert
  • akzeptieren eine Krise und die damit verbundenen Gefühle
  • suchen nach Lösungen
  • fühlen sich nicht als Opfer der Umstände
  • bleiben optimistisch
  • planen zukunftsorientiert
  • sind in der Lage, sich positiv anzupassen
  • sind meist freundlich, gut gelaunt und herzlich
  • rufen bei Dritten positive Reaktionen hervor
  • verfügen meist über überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten und eine hohe Sozialkompetenz sowie gute Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten

Die sieben Säulen der Resilienz (nach Reivich/Shatté)

Dem Konzept liegt zugrunde, dass jeder selbst über seine Resilienz verfügen und lernen kann, schwierige Situationen besser zu meistern. In ihrem „Sieben-Säulen-Modell“ haben Reivich und Shatté formuliert, welche Fähigkeiten und Eigenschaften ein Mensch haben sollte, um mit krisenhaften Veränderungen erfolgreich umgehen zu können:

  1. Optimismus
  2. Akzeptanz
  3. Lösungsorientierung
  4. Opferrolle verlassen
  5. Verantwortung übernehmen
  6. Zukunftsplanung
  7. Netzwerkorientierung (soziale Interaktion)

Die sieben Schlüssel, um innere Stärke zu entfalten: (nach Reivich/Shatté)

  1. Gedankenbeobachtung: Gedanken lenken unser Handeln. Sie beeinflussen unsere Gefühle. In schwierigen Zeiten gilt es also, darauf zu achten, welche Gedanken es sind, die Unwohlsein verursachen. Wie realistisch sind diese wirklich? Hier ist eine große Portion Selbstwahrnehmung gefragt!
  2. Denkfehler identifizieren: Denkfallen sind Überzeugungen, die fest verankert sein können. Viele Menschen scheitern immer wieder am selben Punkt – etwa, dass sie sich selbst die Schuld an ihren Fehlschlägen geben. Sie fühlen sich dadurch kraftlos und schwach. Wenn sie sich dessen bewusst werden, können sie den Denkfehler korrigieren.
  3. Eisberg-Überzeugungen aufspüren: Mit „Eisberg-Überzeugungen“ meinen Reivich und Shatté tief sitzende Idealvorstellungen, die einen erheblichen unbewussten Einfluss auf das Denken, Handeln und Fühlen von Menschen ausüben können. Diese sind oftmals starr und damit wenig förderlich, wenn man seinem Leben eine Wendung geben möchte. Positive Denkmuster helfen dabei, die eigene Problemlösungskompetenz zu steigern!
  4. Problemlösekompetenzen trainieren: Wie verhalte ich mich, wenn es gilt, ein Problem zu lösen? Bin ich auf einen spezifischen Lösungsweg fixiert? Dann sollte ich das erkennen und hinterfragen!
  5. Katastrophendenken abstellen: Viele Menschen neigen dazu, voreilig vom Schlimmsten auszugehen, blockieren sich in schwierigen Lagen also selbst. Ein angsteinflößendes „Wenn-dann-Denken“ sollte gestoppt werden, um rechtzeitig einen konstruktiven Plan zur Krisenbewältigung zu entwickeln.
  6. Beruhigen und Fokussieren: Kontrolle über die eigenen Gedanken und eine innere Ruhe sind Grundlage für die Bewältigung von Krisen. Wer in Aufregung und Stress verharrt, dem fehlen Ruhe und Kraft für das Sammeln klarer Gedanken. Daher sind das Beherrschen von Entspannungstechniken und regelmäßige Meditation sehr hilfreich!
  7. Resilienztechniken in Echtzeit praktizieren: Dieser Schlüssel ist die Integration aller zuvor genannten Resilienztechniken in den Alltag. Sobald schädliche Gedanken auftauchen, sollten Resilienzschlüssel automatisiert zum Einsatz kommen. Gedanken- und Impulskontrolle sind dabei entscheidend!

Ganz unabhängig von der derzeitigen Ausnahmesituation sind Resilienz und ein bewussterer Umgang mit schwierigen Lebenssituationen für uns hilfreiche Tools, die gezielt eingesetzt und deren Wirksamkeit auch trainiert werden kann.

Photo by George Becker on Pexels.com

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